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Familie

Einsamkeit: Ursachen, Folgen und Tipps

Chronische Einsamkeit ist belastend und kann physisch genauso wie psychisch krank machen. Aber für Betroffene gibt es Wege, die Einsamkeit zu überwinden.

Warum Sie diesen Artikel lesen sollten:

Einsamkeitsgefühle begegnen jedem. Zum Problem werden sie, wenn soziale Beziehungen auf Dauer nicht den persönlichen Wünschen und Bedürfnissen entsprechen.

Inhaltsverzeichnis

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Aufnahmeprüfung geschafft, Stipendium bekommen, Zimmer gefunden: Alles lief für das Auslandsjahr nach Plan. Doch endlich am Wunschort, tut sich der Master-Student Jonas schwer. Unter Kommilitonen findet er kaum Anschluss, seine Freizeit verbringt er oft allein. Ähnlich geht es der jungen Familie: Um günstiger und grüner zu wohnen, ist sie mit Baby Linus in eine Kleinstadt gezogen. Über Smalltalk mit anderen Eltern in der Kita kommt sie allerdings nicht hinaus, andere Treffen und Kontakte ergeben sich nicht. Die sind auch für Seniorin Magda Mangelware geworden. Seit dem Tod des Mannes fehlt ihr seine vertraute Gesellschaft. Die drei Kinder und fünf Enkel leben zu weit entfernt für häufige Besuche. Krankheits- und altersbedingt gibt es immer weniger Freunde für gemeinsame Unternehmungen.

Was ist Einsamkeit eigentlich?

So unterschiedlich die Beispiele sind – alle drei kreisen um ein Thema: Einsamkeitsgefühle. „Sie begegnen jedem Menschen im Lauf des Lebens, sind also normal“, erklärt Martin Gibson-Kunze, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Kompetenznetz Einsamkeit für den Bereich Forschung zuständig ist. „Problematisch wird chronische Einsamkeit, das heißt wenn aus subjektiver Sicht über einen längeren Zeitraum soziale Beziehungen quantitativ oder qualitativ nicht den persönlichen Wünschen und Bedürfnissen entsprechen.“ 2021 hatten laut Daten des Sozio-oekonomischen Panels 11,3 % der bundesweit Befragten über 18 eine erhöhte Einsamkeitsbelastung. Im Coronajahr 2020 stieg diese vor allem bei 18- bis 29- und über 75-Jährigen auf 31,8 bzw. 22,8 % stark an. Das zeigt, „wie verletzlich Beziehungen sind und welche Auswirkungen es hat, wenn sie fehlen“, so Martin Gibson-Kunze.

Warum so viele Menschen einsam sind

Auch nach der Pandemie fühlen sich junge Menschen oft einsamer als der Durchschnitt, weil sie sich mit dem Auszug von zu Hause erst in ein neues Leben und Umfeld einfinden müssen. Oder weil sie bei Weitem nicht so vernetzt sind wie Vorbilder aus den sozialen Medien, die beeindruckend viele Follower und Freunde haben. Ältere Menschen verlieren ihre Partner oder andere Bezugspersonen, werden immobiler und kommen seltener unter Leute. Unfreiwillig einsam fühlen sich laut Einsamkeitsbarometer 2024 außerdem vermehrt Menschen, die intensive Care-Arbeit leisten, alleinerziehend, queer oder arm sind, Migrations- und Fluchterfahrung haben – was alles die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erschwert oder unmöglich macht.

Wer im Homeoffice arbeitet, tauscht sich per Mail, Telefon oder Videocall mit anderen aus. Was zu kurz kommt, sind echte Treffen mit Kollegen.

Mögliche Folgen von Einsamkeit

„Chronische Einsamkeit wird sowohl durch individuelle als auch gesellschaftliche Faktoren bedingt“, fasst Martin Gibson-Kunze zusammen. „Sie hat viele Facetten und ist keine Krankheit, kann aber krank machen.“ Laut Einsamkeitsbarometer 2024 sind depressive Störungen, suizidales Verhalten, Schlafprobleme, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und letztendlich eine höhere Sterberate mögliche Folgen. „2021 hatten 60,7 % der Menschen mit erhöhten Einsamkeitsbelastungen eine unterdurchschnittliche körperliche Gesundheit, 71,7 % eine unterdurchschnittliche psychische Gesundheit“, so der Bericht, den das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend seit 2021 durch das Kompetenznetz Einsamkeit erstellen lässt.

Einsamkeit überwinden: Strategien, die wirklich helfen

Das Kompetenznetz erforscht aber nicht nur Ursachen und Folgen, sondern begleitet auch die Politik und will bestehende Lösungsmöglichkeiten aufzeigen. Deshalb listet eine Angebotslandkarte auf seiner Homepage 1.200 Orte auf, wo Einsame Hilfe und Unterstützung finden. Wichtig ist, „dass sie wieder aus dem Tal herauskommen“, so Martin Gibson-Kunze. Weil sich Betroffene oft selbst die Schuld geben und schämen, sei ein anonymer Anruf bei der Telefonseelsorge oder Nummer gegen Kummer ein guter erster Schritt, um Einsamkeit zu überwinden. Therapeutische Betreuung könne bei starker Vereinsamung helfen, sich zu öffnen und Signale anderer Menschen richtig zu deuten. Idealerweise gelingt es Schritt für Schritt, mehr zusammen mit anderen zu unternehmen – je nach Alter und Zielgruppe in Selbsthilfegruppen, Sportvereinen oder Chören, über virtuelle Nachbarschaftsnetzwerke wie nebenan.de, bei Hobbytreffs oder CoGardening-Initiativen.

Video: Einsam – wenn niemand für dich da ist

SWR Nachtcafé über Einsamkeit, die längst kein Randthema mehr ist und ganz besonders junge Menschen und Senioren betrifft.

Ort für Austausch statt Alleinsein

Einiges davon vereint das AWO-Familienzentrum Alte Apotheke in Höhenkirchen-Siegertsbrunn, das 2023 als niedrigschwelliger Ort für Begegnung, Austausch und gemeinsame Aktivitäten eröffnet wurde. Werdende Eltern lernen sich hier im Geburtsvorbereitungskurs kennen und kommen später zur Krabbelgruppe. Im integrativen Café Lichtblick gibt es Essen und Getränke für kleines Geld, Regale mit Büchern zum Mitnehmen und Abgeben, einen offenen Handarbeitstreff und Hilfe für Senioren bei Fragen zu Smartphone, Tablet & Co. – das meiste ermöglicht durch Ehrenamtliche. „Diese Mithilfe ist für viele sehr wichtig, um nach Renteneintritt, als Verwitwete oder zugezogene junge Mama soziale Kontakte und eine Aufgabe zu haben“, erklärt Einrichtungsleiterin Britta Werhahn. „Stammgäste besuchen uns gerne, weil sie Ansprache und Wertschätzung bekommen. Niemand muss allein am Tisch sitzen.“ Insgesamt seien alle Angebote „gut gegen Einsamkeit“, denn diese nehme auch in überschaubaren, weniger anonymen Orten zu.

Allein ins Museum? Das muss nicht sein. Begleitung findet man über Gruppenführungen, Kunstkurse, Nachbarschaftsnetzwerke oder ein Ehrenamt.

Gut geht’s nur gemeinsam

„Einsamkeit ist ein sehr großes Thema und laut OECD eine globale Herausforderung“, bestätigt Martin Gibson-Kunze. Und das gilt nicht nur für Betroffene, sondern auch gesamtgesellschaftlich. Denn Einsamkeit kann argwöhnischer und empfänglicher für Verschwörungstheorien machen, das Vertrauen in die Politik und Institutionen reduzieren. Die deutsche Bundesregierung hat deshalb 2023 eine Strategie gegen Einsamkeit beschlossen, die in der Zwischenzeit 132 konkrete Maßnahmen umfasst, ein Tabu brechen und Signale setzen will. Ihr Motto: „Einsamkeit schadet Menschen unabhängig von Alter und Lebenslage. Richtig gut geht’s uns nur gemeinsam.“

Lektüretipps

Bücher, Berichte und Podcasts über ein schmerzvolles Gefühl genauso wie Anlaufstellen als Auswege aus dem Alleinsein.

DOWNLOAD

„Einsamsein“ von Daniel Haas (Goldmann)

Persönliche und poetische Auseinandersetzung mit dem Thema Einsamkeit. Nach zunehmender Isolation erkennt der Autor, dass der Ausweg aus seiner Situation auf seiner Akzeptanz und seinem Wohlwollen anderen und dem Leben gegenüber beruht.

„Einsamkeit“ von Irmtraud Tarr (Patmos)

Sachbuch einer Psychotherapeutin über ein immer noch schambesetztes und tabuisiertes Gefühl. Sie plädiert dafür, es nicht als Defizit zu begreifen, sondern als Möglichkeit und Motivation, sich selbst sowie anderen Menschen zu begegnen.

„Zeiten der Einsamkeit“ von Janosch Schobin (Hanser)

Erkundungen eines universellen Gefühls, das ein Megathema unserer Gesellschaft ist. Für sein Buch hat Schobin mit mehr als 70 Menschen über ihre Einsamkeitserfahrungen gesprochen. Die meisten haben aus dem „tiefen Labyrinth“ zurückgefunden.

 

 

bund.de

Untersuchung zur Langzeitentwicklung der Einsamkeitsbelastungen in der deutschen Bevölkerung zum Download. Der Pilotbericht wurde 2023 veröffentlicht und wie seine Nachfolger vom Kompetenznetzwerk Einsamkeit umgesetzt.

kompetenznetz-einsamkeit.de

Homepage eines Projekts, das Wissen zum Thema Einsamkeit erforscht, bündelt und verbreitet. Publikationen können heruntergeladen werden, eine Angebotslandkarte zeigt, welche Initiativen, Treffen oder Gruppen es bundesweit gibt.

gesund-in-sportdeutschland.podigee

Podcast von Host Daniel Schmidt mit Prof. Dr. Markus Reichert von der Universität Salzburg über die Folgen von Einsamkeit auf Körper und Geist, aber auch die positiven Auswirkungen, die Sport und Bewegung bei Betroffenen haben können.

nummergegenkummer.de

1980 gegründete, kostenlose und anonyme Beratung für Kinder, Jugendliche, Eltern und andere Bezugspersonen, die Sorgen haben. Deutschlandweit sind telefonisch, online und per Mail fast 4.000 Beraterinnen und Berater aktiv. Ihr Motto: Darüber reden hilft.

silbernetz.org

Netzwerk gegen Einsamkeit im Alter, das mit einem dreistufigen Angebot Türen aus der Isolation öffnen will: einer täglichen Hotline für Gespräche, Silbernetz-Freund*innen, die Senior*innen regelmäßig anrufen, und die Silberinfo zu Angeboten in der Nähe.

Zur Autorin: Antoinette Schmelter-Kaiser schätzt und pflegt ihren großen, stabilen Freundeskreis. Einsam hat sie sich aber auch schon gefühlt: zu Studienbeginn und als junge Mutter, jeweils an neuen Wohnorten.

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