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Spezial

Der allerletzte Drücker und der Rest der miesen Bande

Ehrlich, man muss sich im Leben aber auch mit Dingen rumschlagen – da hätte selbst Drachentöter Georg seine liebe Not!

Text: Barbara Lang

Warum Sie diesen Artikel lesen sollten:

Ja, es ist unvernünftig und nicht gerade clever, Unangenehmes vor sich herzuschieben. Also: Kenne deine Feinde!

Huhu, ich schicke Ihnen heute leicht verzweifelte Grüße von der langen Bank. Sie gehört schon seit vielen Jahrzehnten zu meiner festen Wohnungs- und Büroeinrichtung. Ein unsichtbares Interieur mit magischer Anziehungskraft: Egal, welche Aufgaben zur Erledigung anstehen – ob Wäsche waschen, Texte schreiben oder die Rentenlücke ausrechnen – die lange Bank lädt geradezu magnetisch dazu ein, erst einmal alles auf sie zu schieben.

Ein Beispiel: Heute muss ich einen Kolumnentext zum Thema Prokrastinieren schreiben – also übers Aufschieben. Ich setze mich an den Rechner, warte auf die knutschende Muse … und mein Fokus geht wandern: nur kurz in diesen Shopping-Newsletter klicken (bei Schnäppchen muss man schnell sein), in der Zeitung blättern (ich bin ja schließlich Journalistin), die dringend nötige Maniküre machen (wie sieht das denn sonst aus in der Zoom-Konferenz) und natürlich gesunde Vitamine in Form eines fein säuberlich in 16 mundgerechte Schnitte geschnippelten Apfels zu mir nehmen (gut fürs Gehirn). Nach eineinhalb Stunden komme ich wieder zu mir. Ooops, i did it again!

“Ich verschiebe niemals auf morgen, was sich auch übermorgen erledigen lässt!”

Oscar Wilde

Abtauchen ist keine Option

Wieder einmal habe ich meinen Auftrag auf die lange Bank geschoben. Wieder einmal hat sich die Prokrastination meiner ermächtigt, mich hinterlistig bezirzt und meine gute Absicht mit höchster Verführungskunst zerstreut wie die Schlange im Paradies. Ich sag nur: Apfel. Ich ärgere mich und beginne am späten Vormittag endlich, wirklich zu arbeiten. Bei der Recherche ignoriere ich standhaft alle blinkenden Werbebanner und stolpere alsbald über die Gründe für meine Aufschieberitis: keine Impulskontrolle, verselbstständigte ungute Routinen, Neigung zum Verzetteln. Ja, mea culpa – jetzt fühle ich mich erst recht schlecht!

Letzte Rettung: Todeslinie!

Ich will mich ja nicht mit der abgenudelten, pseudokünstlerischen Attitüde rausreden, dass ich nur unter Zeitdruck richtig produktiv sein kann. Aber der Abgabetermin ist für mich schon eine Instanz. Man nennt ihn nicht ohne Grund: Deadline – die Todeslinie! Da bleiben keine Fragen offen, oder? Für diesen Text ist die Deadline allerdings erst nächste Woche. Also noch keinerlei Druck in Sicht – geschweige denn ein Drücker. Prokrastination und lange Bank haben nämlich noch Verbündete: Der innere Schweinehund gehört dazu und der fiese letzte Drücker. Gemeinsam bilden sie ein mächtiges, vierköpfiges Wesen, gegen das ich ankämpfen muss. Als wäre ich Herakles oder Siegfried. Ich bin Journalistin, kein Drachentöter! Außerdem weiß man ja, wie das läuft: Man schlägt diesem Ungeheuer einen Kopf ab und schwupps – wachsen zwei neue nach.

Prokrastination – meine Abwandlung von Poker

Klar ist: Prokrastinieren ist schlichtweg dumm. Ein dämliches Glücksspiel, bei dem man nur verlieren kann. In meinem Fall lässt sich das sogar mit Zahlen belegen: Umsatzsteuervoranmeldung einen Tag zu spät abgegeben = 20 Euro Verspätungszuschlag. Diverse Rechnungen nicht rechtzeitig überwiesen = jedes Mal 4 Euro Mahngebühren. Das Abo wieder nicht gekündigt = nochmal 24,99 Euro. Übers Jahr gerechnet kommt da eine schmerzliche Summe zusammen, für die man sich ein, zwei hübsche Urlaubstage mehr leisten könnte. Zudem bin ich nicht nur nicht Herakles, sondern auch nicht Warren Buffett. Oder anders: Ich bin nicht jung und brauche das Geld!

Das Paradox des Prokrastinierens

Trotz all dieser vernünftigen Überlegungen habe ich mein Prokrastinieren auch ein klein bisschen lieb gewonnen. Das Verrückte ist nämlich, dass sich auch unbeliebte Arbeiten vor noch unbeliebtere drängeln. Und so passiert es, dass ich endlich die Wäsche wasche und meinen Kleiderschrank aufräume, wenn ich eigentlich die Einkommensteuer machen sollte. Und dass ich mich um meine Geldanlage kümmere, obwohl ich eigentlich die Garage für meinen Vermieter leer räumen sollte. Es ist paradox, aber wenn man’s genau betrachtet, arbeite ich so mit der Zeit auch irgendwie eine Art Prioritätenliste ab – eine sich selbst sortierende. Mystisch – hat aber bisher noch immer geklappt!

Zur Autorin: Als erfahrene Prokrastiniererin kennt Barbara Lang ein Naturgesetz: Wenn sie ganz besonders fahrlässig mit dem wirklich allerletzten Drücker kalkuliert, wird garantiert ihr Kind krank oder der Rechner streikt. Ihr Selbstmitleid hält sich dann in Grenzen!

Stand: Dezember 2023

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