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Familie

Eltern sind Vorbild für ihre Kinder

Kinder brauchen beim Größerwerden feste Bezugspersonen – also am besten Mütter und Väter, die ihnen Orientierung geben und sie begleiten.

Warum Sie diesen Artikel lesen sollten:

Eltern bereiten den Boden für das Aufwachsen ihrer Kinder. Am Verhalten der Großen nehmen sich die Kleinen ein Beispiel. Liebevolle Führung ist wichtig.

Zwei der drei Kinder von Birgit Thaller und ihrem Mann sind ganz nach den Eltern geraten. Der Älteste und die Jüngste fühlen sich wie die Mutter in Gesellschaft am wohlsten, sind kontaktfreudig und haben wie der Vater Spaß am Sport von Eislaufen über Fuß- oder Handball bis zu Tennis und Skifahren. Die mittlere Tochter ist ein ruhigerer Typ, der seine Zeit gerne mit der Familie oder den besten Freundinnen verbringt. Sie braucht nicht die große Bühne, ist aber dennoch in die Fußstapfen der Mutter getreten, die als Stadtführerin tätig ist: Nach dem Abitur erarbeitete sich die 18-Jährige nämlich das Geld für eine mehrmonatige Australienreise mit Führungen durch Schloss Neuschwanstein.

„Es sind Biologie und Umwelt, die das Verhalten kleiner Kinder prägen.“

Eltern sind für Kinder wie Wegweiser, die Orientierung geben.

Eltern sind wie Wegweiser

„Ich fühle mich wie eine Schwanenmutter, der die Kinder nachschwimmen können“ und „Eltern sollten ein Büfett mit einer reichen Auswahl an Möglichkeiten bieten“: Zwischen diesen Polen, mit denen Birgit Thaller bildhaft ihre Rolle beschreibt, liegt die wichtigste elterliche Aufgabe. Denn ab der Geburt bis zum Eintritt ins Erwachsenenalter fungieren Vater und Mutter oder alternativ feste Bezugspersonen als Wegweiser, die als Vor- und Leitbild Orientierung geben. Zu ihren Klonen entwickeln sich Kinder aber trotzdem nicht. Entscheidend sind ebenfalls ihr Charakter und ihr Temperament, die sie auf individuell verschiedene Weise mitbringen. Der dänische Familienexperte Jesper Juul formuliert das in seinem Buch „Leitwölfe sein“ folgendermaßen: „Es sind Biologie und Umwelt, die das Verhalten kleiner Kinder prägen. Ein Säugling kommt mit einem Potenzial an Millionen möglicher und unterschiedlicher Hirnstrukturen auf die Welt. Wie diese sich ausprägen, hängt im großen Maße von den zwischenmenschlichen und sozialen Erfahrungen des Kindes ab.“

Mittelweg als optimale Lösung

Einfluss nimmt über die Familie hinaus auch die Gesellschaft, die die Kinder umgibt. In der Antike galten Helden aus der Dichtung und Philosophen als nachzuahmende Ideale. Ab der Aufklärung bekam Selbstbestimmung zwar einen höheren Stellenwert. Dennoch gaben zwei weitere Jahrhunderte lang Autoritäten die Marschrichtung der meisten Menschen vor. Gegen unumstößliche Hierarchien rebellierte erst die Generation der 1968er. Mittlerweile gilt ein Mittelweg als optimal. Denn laut Erkenntnissen von Erziehungswissenschaftlern sind Vorbilder ebenso bedeutend wie Entfaltungsspielraum. „Wir Eltern sind die Leitplanken, an denen sich Kinder orientieren“, schreibt Mathias Voelchert in seinem Praxisbuch „Liebevolle elterliche Führung“: „Wir bereiten den Boden für das Wachsen unserer Kinder.“

„Eltern sind die Leitplanken, an denen sich Kinder orientieren.“

Kinder ahmen Erwachsene nach, Teenager brauchen ihre Begleitung.

Erst die Eltern, dann andere Idole

Zunächst sind Eltern oder elternähnliche Bezugspersonen Fixsterne, die nicht infrage gestellt, sondern nachgeahmt werden. Ab der Einbindung in Gruppen von Kita bis Schule nehmen sich Kinder außerdem ein Beispiel an Gleichaltrigen oder Erziehern. Hinzu kommen zunächst Idole in Büchern und Filmen, dann aus der Musik- und Sportwelt oder digitalen Medien. In der Pubertät laufen solche Faktoren in Kombination mit der Peer Group dem Elternhaus den Rang ab. Dennoch sollten Vater und Mutter die Zügel nicht komplett aus der Hand geben, was Mathias Voelchert erklärt: „Führung bedeutet in diesem Fall, sich auf den anderen einzulassen, seine Sicht verstehen zu wollen, also nicht Befehl, Kontrolle und Gehorsam, sondern begleiten, zu Verfügung sein.“ Mit Heranwachsenden bei aller Abnabelung, die sie für ihre Entwicklung brauchen, in Verbindung zu bleiben, ist bei Negativvorbildern besonders wichtig. Welcher Heranwachsende bleibt standhaft, wenn die Freunde trinken, rauchen oder Drogen nehmen?

Nicht nur auf Kuschelkurs

Oft tragen aber auch Eltern eine Mitschuld. Fläzt Papa am Esstisch oder stochert im Salat, animiert er genauso zu schlechtem Benehmen wie Mama, die nonstop Whatsapp-Nachrichten checkt. „Klarheit in der Erziehung ist ganz wichtig“, weiß Mathias Voelchert, der im Team mit anderen Coaches bei Familylab eine solide Basis für alle, die ihre eigene Lebensart als Eltern und Partner finden wollen, bieten will. Als ersten Schritt rät er, sich der eigenen Werte bewusst zu werden, als zweiten, sie authentisch zu leben und deutlich zu kommunizieren. „Kinder werden mit großer Weisheit geboren, aber ihnen fehlen praktische Lebenserfahrung, Überblick und die Fähigkeit vorauszudenken“, ergänzt Jesper Juul. „Um diese Kompetenzen zu erlangen, brauchen sie Erwachsene.“ Die müssen dabei nicht auf Kuschelkurs gehen.

Bücher, Artikel und Internetseiten über die fundamentale Bedeutung von Vorbildern. Sie unterstützen Kinder dabei, ihre Persönlichkeit zu entwickeln.

Lektüretipps

Buchtipps und Internetadressen

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Bücher

„Vorbilder. Erziehen wohin?“

von Anna Maria Kalcher und Karin Lauermann (Hg.), Verlag Anton Pustet, 23 Euro: Aufsatzsammlung mit Beiträgen aus unterschiedlichen Disziplinen wie Erziehungswissenschaft, Psychologie, Jugendforschung und Soziologie.

 

 

 

 

„Leitwölfe sein“ von Jesper Juul

Beltz, 17,95 Euro: Plädoyer des dänischen Familienexperten für ein zeitgemäßes Autoritätsverständnis, das auf liebevoller Führung basiert. Ohne klare Signale der Eltern finden sich Kinder nach Ansicht von Juul nicht im Dickicht des Lebens zurecht.

„Liebevolle elterliche Führung“ von Mathias Voelchert

Beltz, 14,95 Euro: Statt zu erziehen, rät der Autor Eltern, einen Garten von Möglichkeiten anzulegen, in dem Kinder wachsen können. Hauptaufgabe sei dabei, wichtige Werte ehrlich und geradlinig vorzuleben.

 

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Zur Autorin: Antoinette Schmelter-Kaiser kennt niemanden mit einer diagnostizierten Störung aus dem Autismus-Spektrum persönlich. Bei ihren Recherchen ist ihr aber aufgefallen, wie viele Berühmtheiten von Albert Einstein über Glenn Gould bis Greta Thunberg trotz oder gerade wegen ihrer Autismus-Variante herausragende Persönlichkeiten sind.

Stand: März 2018

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