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„Heile, heile Segen“

Kleine Kinder, große Kullertränen. Wie lassen sich Kinder beruhigen? Da gibt es bessere und schlechtere Wege, Kinder zu trösten. Und Holzwege!

Warum Sie diesen Artikel lesen sollten:

Kleine Kinder mit großem Kummer brauchen den Trost der Erwachsenen. Es ist schön, ihre Tränen zu trocknen und sie wieder lachen zu sehen.

Hingefallen, angehauen, kaputt gemacht, ausgelacht ... Es gibt viele Gründe, warum Kleinkindeltern sich täglich in der Trösterrolle wiederfinden. Sie sind wahre Marathontröster! Umso erstaunlicher, dass man auf Kinderspiel- und Sportplätzen, in Supermärkten und der Lieblingspizzeria trotzdem immer wieder auf äußerst ungeschickte Kindertröster trifft: „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“, raunt der Vater seinem gefoulten Filius am Bolzplatz entgegen – und erwartet dabei wohl, dass dieser ebenso die Zähne zusammenbeißt wie Papa. „Hat gar nicht wehgetan“, spielt die Mama die Tränen ihrer Tochter runter, die gerade von der Schaukel geplumpst ist. Woher sie das wohl weiß? Und (liebe Männer) auch ein zu früh platzierter Witz kann ordentlich nach hinten losgehen! Denn wem gerade zum Heulen zumute ist, der will nicht zum Lachen gebracht werden.

Auch wenn es harmlos klingt, diese So-tun-als-ob-nix-wäre-Taktik kann bei Kindern langfristig ernsthafte Schäden anrichten: Nicht nur, dass sie das Kind mit seinem Elend alleine lässt. Experten fanden heraus, dass anhaltender Kummer den Kortisonspiegel des Kindes in toxische Höhen treiben, seine Gehirnentwicklung einschränken, das Stressreaktionssystem erhöhen und später zu einer erhöhten Anfälligkeit für psychische Probleme führen kann. Starker Tobak! Dann doch lieber ein paar Umarmungen zur rechten Zeit, oder?

„Fremder Trost ist gut, doch besser ist eigener Mut.“

Deutsches Sprichwort

Die Gruppe der Tröster-Tollpatsche kennt allerdings auch noch ein anderes Extrem: überbesorgte Eltern, die das Kind mit einer nicht enden wollenden Wortdusche übergießen. „Was ist passiert? Bist du hingefallen? Hast du dir wehgetan? Wo tut’s weh? ...“ Während das Kind noch so mit Heulen und Erschrockensein beschäftigt ist, dass es gar nicht antworten kann, kurbelt die Hektik des Erwachsenen seine Angst noch mehr an. Trostfaktor? Gleich null! Langzeitergebnis: kleine Übersensibelchen, deren Schlimmheitsskala immer den vollen Ausschlag erreicht. Dabei liegt das Geheimnis des Kindertröstens vor allem in der Ruhe verborgen: ruhig bleiben, still sein, in den Arm nehmen, ausweinen lassen. Meist schöpft das Kind dann schon selbst wieder Mut und will zurück zum Spiel. Dann ist ein guter Zeitpunkt, um ihm noch einen kleinen Scherz mitzugeben – denn das Schönste, was es gibt, ist immer noch das Kinderlachen!

Stand: September 2017

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