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Gesund

Demenz vorbeugen – das große Vergessen

Alzheimer und Demenz sind Krankheiten des Vergessens, an denen allein in Deutschland 1,6 Millionen Menschen leiden. Kennen Sie Ihre Risiken? Wie Sie Demenz vorbeugen können.

Text: Karen Cop

Warum Sie diesen Artikel lesen sollten:

Je älter, desto öfter leiden Menschen an degenerativen Erkrankungen des Gehirns. Bewegung und mediterrane Kost können das Absterben von Nervenzellen aufhalten.

Alzheimer oder Demenz oder beides?

Als Willi C. eines Nachts um 4 Uhr begann, die Garderobe abzumontieren und die Bohrmaschine anzustellen, war definitiv klar: Mit dem stimmt was nicht. Er war immer ein handwerklich aktiver Mensch gewesen, aber planvoll. Und es war nicht das erste Mal, dass er „sich vergaß“ und plötzlich Dinge tat, die keinen Sinn ergaben. Willi stand vor seinen Schuhen und wusste nicht mehr, dass er sie anziehen wollte, um in den Garten zu gehen.

Er lief ruhelos umher, ging in die falsche Richtung zur Toilette. Später verhielt er sich wie ein kleines Kind und wich seiner Frau Grete nicht mehr von der Seite. Die Umgebung fand oft rührend, wie sie den Hilflosen an der Hand mitnahm. Für sie war das „eine sehr, sehr anstrengende Zeit. Er schrie und weinte, als er einmal ins Krankenhaus musste – die Pfleger stellten dann ein Bett für mich neben seins.“

Willi C. war mein Großvater, aber nur einer von 1,6 Millionen an Demenz erkrankten Menschen in Deutschland. Seine Symptome waren typisch für die häufigste Form, die Alzheimer Demenz: das nächtliche Wandern, die Unruhe … Es dauerte dennoch einige Zeit, bis er, bis wir das zuordnen konnten und vor allem: akzeptieren und damit leben, wie er uns und sich aus dem Gedächtnis verlor.

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Wenn Nervenzellen verloren gehen

Was geschah, was geschieht bei einem Alzheimer-Patienten? „Alzheimer beginnt zunächst ohne Symptome, obwohl es schon erste Veränderungen im Gehirn gibt. Wenn dann die ersten Symptome auftauchen, sind in der Regel schon mehrere Jahre bis Jahrzehnte vergangen und die nachweisbaren Hirnveränderungen sehr weit fortgeschritten“, sagt Prof. Dr. Thomas Arendt, Leiter des Paul-Flechsig-Instituts für Hirnforschung in Leipzig und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Alzheimer Forschung Initiative e.V. „Die Ursachen sind dann nicht mehr ohne Weiteres nachvollziehbar.“

Alzheimer gehört zu den komplexesten Krankheiten des Gehirns. Zu sehen ist, wie sich Eiweißablagerungen bilden und verklumpen, typische Plaques, die die Verbindungen zwischen den Synapsen blockieren und die Signalübertragung im Gehirn stören.

Video

Dieser Film der Alzheimer Forschung Initiative veranschaulicht die ersten Symptome und den Verlauf:

„Neben den 1,2 Millionen Alzheimer-Patientinnen und -Patienten in Deutschland gibt es noch rund eine halbe Million Menschen, die an anderen, selteneren Demenz-Formen leiden,“ ergänzt Dr. Linda Thienpont, Leiterin Wissenschaft der Alzheimer Forschung Initiative. Beispielsweise die vaskuläre Demenz, die aufgrund von Durchblutungsstörungen im Gehirn entsteht. Laut „Ratgeber Demenz“ des Bundesministeriums für Gesundheit leiden etwa 20 bis 30 % an gefäßbedingter („vaskulärer“) Demenz.

„Bei etwa 15 % liegt eine Kombination beider Erkrankungen vor. Andere Demenzformen finden sich bei 5 bis 15 % der Erkrankten.“ Sie heißen z.B. „Lewy-Körper-Demenz“, „Parkinson“ und „Morbus Pick“. Alle betreffen das Gehirn, doch bei manchen ist, anders als bei Alzheimer, nicht zuerst das Gedächtnis betroffen.

Parkinson-Patienten können sich zunächst „nur“ zunehmend schlechter konzentrieren; Morbus-Pick-Patienten sind leichter reizbar, schimpfen beispielsweise grundlos. Gerade bei den häufigsten Demenzerkrankungen gibt es aber auch erkennbare Risikofaktoren.

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Risikofaktoren Diabetes, Übergewicht, Blutdruck

„Alzheimer wird von Forschern auch Typ-3-Diabetes genannt“, schreibt die Alzheimer Forschung Initiative e.V. in einer ihrer Broschüren, die Interessierte und Betroffene kostenlos anfordern können. „Die Alzheimer-Krankheit ist durch einen niedrigen Insulinspiegel im Blut und eine Insulinresistenz im Gehirn gekennzeichnet.“ Und weiter: „Wer bereits im mittleren Alter an Diabetes erkrankt ist, hat im Alter ein höheres Risiko für eine Demenzerkrankung.“

Das Risiko steigt mit einer ungesunden Lebensweise, zu der Rauchen, Stress, Übergewicht und mangelnde Bewegung gehören. All diese Risikofaktoren können sowohl Diabetes wie auch Bluthochdruck verursachen. Dieser erhöht die Gefahr, an einer vaskulären Demenz zu erkranken, laut einer Studie des George Institute for Global Health, um bis zu 62 %, wenn der Bluthochdruck schon mit 30 bis 50 Jahren auftritt.

Außerdem scheint es einen Zusammenhang zwischen Demenz und Depressionen zu geben – wobei Experten uneins sind, ob diese Vorboten oder Folgeerscheinung einer Demenz sind. Die gute Nachricht: Vielen Risikofaktoren können wir entgegenwirken oder sie sogar vermeiden, wenn wir vorbeugen.

Bewegung, Gehirnjogging und eine gesunde Lebensweise

Wissenschaftler der Columbia University in New York haben herausgefunden, dass durch regelmäßige sportliche Betätigung und eine gesunde Ernährung das Risiko für Alzheimer um bis zu 60 % gesenkt werden kann. Ausdauernde Bewegung ist eine Art Jungbrunnen für unsere Blutgefäße. Sie schützt vor Herzinfarkt, Schlaganfall, Gefäßverkalkung und vaskulärer Demenz.

Die optimale Sauerstoffversorgung bei guter Blutzirkulation während ausdauernder Bewegung wie Walken oder Joggen scheint auch deutlich wirksamer gegen Demenz zu wirken als Gehirnjogging. Das Gehirn lässt sich leider nicht so einfach trainieren wie ein Muskel. Und in Kreuzworträtseln wird schon vorhandenes Wissen abgefragt.

Noch wichtiger ist, immer wieder Neues zu lernen, denn „je mehr Sie sich geistig fordern, desto mehr bilden sich neue Synapsen, also Verbindungen zwischen den Nervenzellen,“ klärt die Alzheimer Forschung Initiative e.V. auf. Ihre Tipps: Kopfrechnen, Tanzen, Spieleabende mit Freunden verbringen, eine Fremdsprache lernen. Auch Vitamin-D-Mangel scheint eine Rolle zu spielen, sie wird bei Demenz oft diagnostiziert.

Also so oft wie möglich raus ans Sonnenlicht und es ein paar Minuten vor dem Eincremen auf die Haut strahlen lassen, damit sich das Vitamin auf natürliche Weise bilden kann.

Mit den Jahren altern auch Nervenzellen, aber mit einem aktiven Leben und der richtigen Ernährung können wir dem Absterben vorbeugen.

Demenzrisiko steigt mit dem Lebensalter

Dass Hautzellen mit zunehmendem Lebensalter altern und sich nicht genauso erneuern wie bei jungen Menschen, können wir an Falten sehen. Und haben eine Kosmetikindustrie geschaffen, die uns bei dem Wunsch unterstützt, möglichst vital und jung zu wirken. Wir geben der Haut das richtige Futter: Feuchtigkeit. Während die Lebenserwartung steigt, werden auch unsere grauen Zellen älter und Nervenzellen sterben ab.

Zwischen dem 56. und 70. Lebensjahr erkranken 1-5 % der Bevölkerung an Alzheimer, bei den 70- bis 75-Jährigen sind bis zu 10 % betroffen, bei den 75- bis 80-Jährigen bis zu 20 %. Bis 2030 rechnet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit bis zu 82 Millionen Betroffenen weltweit. Bei Erreichen der durchschnittlichen Lebenserwartung erkrankt jeder Dritte in Deutschland an einer Demenz, meist an Alzheimer. Wie können wir einer Demenz vorbeugen?

Mit Ernährung Demenz vorbeugen

Ein weiterer Schlüssel, wie wir Demenz vorbeugen können, liegt wohl in der Ernährung. Laut Alzheimer-Studie des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE) kann „eine mediterrane Ernährung, die reich an Fisch, Gemüse und Olivenöl ist, das Gehirn möglicherweise vor Krankheitsauslösern wie Eiweißablagerungen im Gehirn schützen“, sagt Dr. Christine Knust. Zudem wichtig: Hülsenfrüchte, Vollwertgetreide, Nüsse, wenig Fett, wenig Zucker.

Musik für das Gedächtnis

Auch Musik scheint Medizin für die grauen Zellen zu sein. Offenbar liegt das Musikgedächtnis woanders als z.B. das Namensgedächtnis. „Die Beobachtung, dass sich Menschen, deren Gedächtnis durch Schädigungen des Gehirns stark beeinträchtigt ist, an Musikstücke erinnern und sie spielen oder singen können, ist nicht selten", berichtet Prof. Dr. med. Carsten Finke, Neurologe an der Charité Berlin und der Berlin School of Mind and Brain.

Es gibt deshalb ein speziell für Demenz-Erkrankte entwickeltes Geräusche-Memory, bei dem Klänge wie Fahrradklingeln oder Kirchenläuten abgespielt und Bildern zugeordnet werden sollen. Mein Großvater Willi verbrachte seine letzte Zeit mit Alzheimer, umgeben von Musik „aus der Konserve“, denn die konnte ihn mehr als alles andere bis fast zum Schluss erreichen und berühren – er lächelte dann und manchmal weinte er auch, ob voll Rührung oder Trauer? Das wissen wir nicht.

Zur Autorin: Karen Cop erinnert sich bis heute an eine Reportage über einen Mann und eine Frau, die sich im Pflegeheim ineinander verliebten. Sie hatten beide Demenz und hielten glücklich strahlend Händchen, erinnerten sich aber nicht mehr an alte Bekannte.

Stand: April 2022

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