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Hochstapler-Syndrom: Ursachen, Anzeichen und was hilft

Sie sind erfolgreich, einige Stars – und denken trotzdem ständig, dass sie als Versager entlarvt werden. Was steckt hinter diesen Ängsten und Selbstzweifeln? Und vor allem: Was kann man tun, um das verzerrte Denkmuster zu durchbrechen?

Warum Sie diesen Artikel lesen sollten:

Trotz Erfolg fühlen Sie sich wie ein Betrüger? Erfahren Sie, was hinter dem Hochstapler-Syndrom steckt, woran Sie es erkennen und wie Sie Selbstzweifel überwinden.

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Hochstapler-Syndrom – das klingt nach Leonardo DiCaprio im Film „Catch Me If You Can“, einem Blender, der sich als Arzt, Pilot und Staatsanwalt ausgab, ohne es zu sein. In Wirklichkeit bezeichnet das Hochstapler- oder Impostor-Syndrom erfolgreiche Tiefstapler. „Wann fliege ich auf?“, fragen sich Stars wie Oscar-Preisträger Jodie Foster oder Tom Hanks, der einmal sagte: „Ich habe ständig Angst, zu versagen und dass jemand herausfindet, dass ich eigentlich nichts kann.“ Selbst Einstein soll sich als Betrüger betrachtet haben! Überhaupt trifft das Hochstapler-Syndrom vor allem erfolgreiche Menschen, treibt sie in Angst, Schlaflosigkeit oder Burn-out. 

Erstmals beobachtet und beschrieben wurde das Impostor-Phänomen 1978 von den Psychologinnen Dr. Pauline Clance und Dr. Suzanne Imes. Sie fanden heraus, dass es meistens Frauen sind, die sich für nicht sehr intelligent halten, obwohl sie herausragende Leistungen erbringen. Heute weiß man, dass Männer genauso betroffen sind von der übergroßen Versagensangst.

Woran man das Hochstapler-Syndrom erkennt

Denken Sie gerade: „Angst zu versagen hat doch jeder mal“? Stimmt, die meisten Menschen kennen Momente, in denen sie sich wie ein Versager fühlen oder zum Beispiel Prüfungsangst haben. Das Hochstapler-Syndrom bezeichnet auch keine psychische Krankheit, sondern ein Phänomen. Prof. Dr. Dr. Sonja Rohrmann, Fachbereich Differentielle Psychologie & Psychologische Diagnostik an der Goethe-Universität Frankfurt, hat ein Buch geschrieben, das es auf den Punkt bringt: „Wenn große Leistungen zu großen Selbstzweifeln führen“. Sie sagt: „Es ist nicht per se krankhaft, sondern handelt sich um ein Persönlichkeitsmerkmal, das von ganz gering bis sehr stark ausgeprägt sein kann. Bei einer sehr starken Ausprägung besteht ein erheblicher Leidensdruck, der Krankheitswert besitzen kann.“

Magdalena Rogl, 43 Jahre, Mutter von zwei Söhnen, Expertin für Responsible Leadership & Corporate Culture, viele Jahre Managerin bei Microsoft und vor allem Influencerin, beschreibt „ihr“ Hochstapler-Syndrom so: „Vor allem in Situationen, die durch andere Probleme schon anstrengend genug sind, wird das Impostor-Syndrom so laut, dass es fast nicht auszuhalten ist. Es sagt dauernd: ,Du schaffst es nicht, du bist nicht qualifiziert genug. Jede Rückfrage oder kleine Kritik sorgt dafür, dass es noch lauter wird.“

Dr. Clance hat signifikante Merkmale ausgearbeitet, die Clance Impostor Phenomenon Scale (CIP), um das Phänomen zu bewerten:

- Hochstapler-Zyklus: Eine Person bekommt eine Aufgabe, die Selbstzweifel bis hin zu Angst auslöst. Daraufhin versucht sie, diese perfekt zu lösen oder zu prokrastinieren, also möglichst lange aufzuschieben.
- Bedürfnis, etwas Besonderes oder am besten zu sein
- Charakteristika von Superman oder Superwoman
- Angst vor Misserfolgen
- Abstreiten von Fähigkeiten oder Abwerten von Lob 
- Angst- und Schuldgefühle aufgrund von Erfolgen

Weitere Merkmale: fehlendes Selbstbewusstsein, fehlende Selbstakzeptanz und Abneigung gegenüber sich selbst, negative Glaubenssätze, Distanz zum eigenen Team, unbewusste Selbstsabotage, die Unfähigkeit, Komplimente anzunehmen …

Ursachen: Was hinter dem falschen Selbstbild steckt

Wie kommt es zu diesem inneren Tiefstapeln? Prof. Rohrmann: „Bestimmte Familiendynamiken und Erziehungsstile beeinflussen die Leistungswerte und das Leistungsverhalten von Kindern: So bedingt etwa eine hohe Leistungs- und Wettbewerbsorientierung in der Familie einen leistungsabhängigen Selbstwert. Das Kind hat das Gefühl, für gute Leistungen und nicht um seiner selbst willen geliebt zu werden.“ 

Menschen mit Hochstapler-Syndrom passen außerdem gut in die leistungsorientierte Arbeitswelt: Die meisten entwickeln sich zu Perfektionisten, leisten mehr als andere, weil sie sich intensiv vorbereiten. Die Prokrastinierer schieben die Aufgaben erst auf und arbeiten dann durch. Der Arbeitsstil von beiden Typen ist auf Dauer extrem anstrengend.

Folgen für Gesundheit und Lebensqualität

Je erfolgreicher die Betroffenen sind, desto schlechter geht es ihnen. Prof. Rohrmann: „Durch die Diskrepanz zwischen ihrem subjektiven Erleben von Inkompetenz und dem objektiven Erfolg haben die Personen den Eindruck, eine Maske zu tragen, die vor anderen verbirgt, was tatsächlich hinter ihrer Fassade steckt. Sie leben in ständiger Angst, dass ihre Maske fällt und sie entlarvt werden würden.“

Die Folgen eines Hochstapler-Syndroms für die Gesundheit liegen nah: Die zunehmende Angst statt der verdienten Erfolgs- und Glücksgefühle führt zu Frustrationen bis hin zu Depressionen, der Dauerstress zu Schlaflosigkeit, zu viel Arbeit kann im Burn-out enden.

Menschen mit Hochstapler-Syndrom sind oft sehr erfolgreich und fühlen sich trotzdem wie kleine Versager.

Warum gerade erfolgreiche Menschen vom Impostor-Syndrom betroffen sind

Menschen mit Hochstapler-Syndrom haben vorwiegend einen höheren Bildungsabschluss, arbeiten in der Wissenschaft oder als Führungskräfte. Prof. Rohrmann: „Es handelt sich um außergewöhnlich kompetente Personen, deren Persönlichkeitsmerkmale es ermöglichten, ihre Angst vor Versagen und das Bedürfnis, etwas Besonderes zu sein, in starke Leistungsmotivation umzuwandeln: Sie sind bereit, außergewöhnlich hart zu arbeiten.“ Ihr Arbeitsstil beflügelt – zumindest zunächst – den tatsächlichen Erfolg. 
Wie hoch die jeweiligen Anteile von Familiendynamiken in Kindheit, Erziehungsstil und der Umwelt an Selbstzweifeln und Wahrnehmungsverzerrung der Betroffenen sind, ist schwer zu sagen. „Die Entstehung ist komplex.“ 

Glauben Sie an Ihren Erfolg oder haben Sie Angst, dass jemand „Ihre Maske“ herunterreißt, um Ihre Schwäche zu entlarven?

Video: Impostor-Syndrom: wenn man nicht an den eigenen Erfolg glaubt

In der Sendung von ARD GESUND erzählt Chiara Pagnia, Leiterin eines Möbelgeschäfts, von ihren Gedankenspiralen und wie sie regelmäßig mit starken Selbstzweifeln kämpft, selbst nach erfolgreichen Tagen. Dr. Stephanie Kossow zeigt ihr Strategien, um besser mit dem Impostor-Syndrom umzugehen. 

Was wirklich hilft: Wege aus dem Hochstapler-Gefühl

Was tun? Meist helfen schon einfache Selbsthilfemaßnahmen: regelmäßig aufschreiben, was man alles erreicht hat. Mit anderen über die Ängste sprechen, zum Beispiel im Rahmen eines Coachings. Andere um Hilfe bitten, das nicht als Schwäche werten. Komplimente annehmen. Der eigenen Person im Spiegel sagen, was an ihr gefällt. „Dann ist es auch wichtig, Herausforderungen wie einer Beförderung nicht aus dem Weg zu gehen, sondern sie anzunehmen, auch wenn man Angst hat zu versagen“, empfiehlt Prof. Rohrmann. 

„Bei hohem Leidensdruck ist eine Psychotherapie ratsam. In jedem Fall geht es bei allen Maßnahmen darum, die schädlichen Denkmuster und Arbeitsstile zu verändern. Ziel ist, ein realistisches Selbstwertgefühl aufzubauen, das nicht von der Bestätigung anderer abhängig ist.“

„Wahre“ Hochstapler – oder der „Dunning-Kruger-Effekt“?

Die Psychologie kennt übrigens auch das Gegenteil vom Hochstapler-Syndrom: Menschen mit geringem Fachwissen überschätzen ihre Fähigkeiten. Oder um es mit Shakespeare zu sagen: „Der Narr meint, er sei weise, doch der weise Mann weiß, dass er ein Narr ist." 

Manchmal gelingt es von sich überzeugten Unwissenden sogar, weiterzukommen als wissende Tiefstapler, schließlich trauen sie sich sehr viel zu. Bis die Wirklichkeit sie in das „Tal der Demut“ schickt. Seit 1999 wird das Phänomen nach den US-Psychologen David Dunning und Justin Kruger „Dunning-Kruger-Effekt“ genannt und empfohlen, an einer realistischen Selbstwahrnehmung zu arbeiten, bei der Kompetenz und Selbstvertrauen im Einklang sind. 

Quiz: 6 Fragen und Antworten zum Hochstapler-Syndrom

Wer ist ein Hochstapler, wie zeigt sich das Syndrom? Machen Sie den Test!

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Zur Autorin: Karen Cop fühlte sich als berufstätige Mutter öfter als Versagerin bei der Care-Arbeit und ging über ihre Grenzen, um allen gerecht zu werden. „Good-Girl-Syndrom“ wird dieses ungesunde Verhaltensmuster genannt.
 

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