Kinderkrankheiten: Diese 7 Infektionen sind besonders gefährlich
„Kinderkrankheiten“ sind kein Kinderspiel, sondern hoch ansteckende Erkrankungen, die schwere Komplikationen mit sich bringen können – im Kindesalter wie für Erwachsene! Sieben Steckbriefe und wichtige Infos zur Immunisierung.
Warum Sie diesen Artikel lesen sollten:
Masern, Keuchhusten & Co. sind keine harmlosen Kinderkrankheiten. Hier erfahren Sie, welche Risiken bestehen und wie Impfungen Ihr Kind wirksam schützen.
Inhaltsverzeichnis
Immunität ist ein wunderbarer Zustand! Sie bezeichnet die Fähigkeit des Immunsystems, Abwehrmechanismen einzusetzen und den menschlichen Organismus zu schützen, sobald Krankheitserreger wie Viren, Bakterien oder Gifte ihm schaden wollen. In der Medizin wird zwischen angeborener und erworbener Immunität unterschieden. Manche Schadstoffe erkennen die natürlichen Killerzellen von Geburt an, gegen andere muss das Immunsystem erst Antikörper bilden.
Neugeborene besitzen einen sogenannten „Nestschutz“. Das bedeutet, dass die Mutter über die Plazenta und die Muttermilch Antikörper an ihr Baby weitergibt, die es in den ersten Lebensmonaten absichern, bis das kindliche Immunsystem eigene Abwehrkräfte aufgebaut hat. Dieser lässt jedoch schnell nach und wirkt nur gegen Krankheiten, die die Mutter selbst durchgemacht hat oder gegen die sie geimpft ist. Danach können Infektionen für Säuglinge gefährlich werden, wenn keine ausreichende Abwehr mehr besteht.
Warum manche Kinderkrankheiten so gefährlich sind und trotz Impfungen noch vorkommen
Kinderkrankheiten werden so genannt, weil Kinder sich besonders häufig mit den Erregern infizieren, Erwachsene können sich aber auch anstecken. Überhaupt passen in die Kategorie „harmlose Kinderkrankheit“ immer weniger Infekte. Keuchhusten etwa trifft Jugendliche und Erwachsene öfter als Kinder, weil zum Beispiel der Impfschutz nicht aufgefrischt wurde, und wird dann oft nicht erkannt, sodass sich die Pertussis-Bakterien ungebremst weiterverbreiten.
Zu den gefährlichsten Kinderkrankheiten gehören Masern. Masernviren existieren seit über 2.500 Jahren, sind extrem ansteckend, überleben stundenlang in der Luft und auf Oberflächen. Sie können Lungen- und lebensgefährliche Gehirnentzündungen auslösen, Letztere noch Jahre nach der Infektion. Dank Impfungen waren Masern zumindest in Europa fast ausgerottet, aktuell erleben sie ein weltweites Comeback.
In Deutschland gab es sogar „Masernpartys“, bei denen Kinder sich bewusst anstecken sollten, um sich „natürlich“ zu einem „günstigen“ Zeitpunkt zu immunisieren. Gerade wegen solcher Risiken gilt in Deutschland seit 2020 das Masernschutzgesetz, das den Impfnachweis unter anderem für Kinder in Kitas und Schulen vorschreibt. In den USA nehmen Masernfälle rasant zu, weil Gesundheitsminister Kennedy kein Vertrauen in Impfungen hat.
Laut einer Meldung von Unicef hat sich die Todesrate seit 2023 um 43 % erhöht. Allein 2023 sind weltweit 107.500 Menschen an Masern gestorben, obwohl es eine sichere und günstige Impfung gibt. Zeit wird’s, manche Viren und Bakterien unter die Lupe zu nehmen.
1. Steckbrief: Masern
Das Masernvirus ist ein widerstandsfähiges RNA-Virus, das sich durch winzige Tröpfchen von Mensch zu Mensch überträgt, zum Beispiel beim Sprechen. Masern sind weltweit verbreitet, extrem ansteckend und so robust, dass die Viren in der Luft und auf Oberflächen stundenlang überleben. Schwere Krankheitsverläufe erleben Kinder im Säuglingsalter (sie können noch nicht geimpft werden) und ungeimpfte Menschen sowie ältere mit geschwächter Immunabwehr.
Symptome nach 8 bis 10 Tagen Inkubationszeit:
1. Krankheitsphase:
- hohes Fieber
- Bindehautentzündung
- Schnupfen
- trockener Husten
- weiße Flecken auf der Mundschleimhaut
2. Krankheitsphase:
- gesunkenes Fieber steigt wieder an
- Symptome der ersten Phase verstärken sich
- typischer Hautausschlag am ganzen Körper
- geschwollene Lymphknoten am Hals
Mögliche Komplikationen: Masernviren schwächen das Immunsystem über Monate, mögliche Folgen:
- Superinfektionen
- Mittelohrentzündung
- Lungenentzündung
- Gehirnentzündung
- als Spätfolge nach 6 bis 8 Jahren: SSPE (subakute sklerosierende Panenzephalitis), diese Hirnentzündung verläuft tödlich
Schutz: „Durchgeimpfte“ oder einmal Infizierte sind lebenslang immun. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Masernimpfung als MMR-Kombinationsimpfung mit zwei Impfstoffdosen für alle Kinder. Leider können Babys noch nicht geimpft werden und müssen dringend von Erkrankten ferngehalten werden. Die erste Impfung ist mit 11 Monaten möglich, die zweite frühestens 4 Wochen später.
2. Steckbrief: Keuchhusten (Pertussis)
Keuchhusten wird durch das Stäbchenbakterium Bordetella pertussis übertragen. Die Erkrankung verläuft in drei Stadien, vor allem im Säuglingsalter lebensbedrohlich. Bei Jugendlichen und Erwachsenen sogar teils ohne Hustenattacken, trotzdem sind sie hochansteckend.
Symptome nach 6 bis 20 Tagen Inkubationszeit:
1. Phase (1. bis 2. Woche):
- leichte Erkältungsbeschwerden: Schnupfen, Husten, Müdigkeit
2. Phase (4. bis 6. Woche):
- trockener Husten
- anhaltende Hustenanfälle
- krampfartige Hustenstöße
- Schlaflosigkeit
3. Phase (6. bis 10. Woche):
- langsam abklingende Hustenanfälle
- Reizhusten bei Anstrengung
Mögliche Komplikationen:
- Krämpfe
- Lungenentzündung
- Mittelohrentzündung
- Atemstillstand
- Schädigung des Gehirns
Schutz: Säuglinge haben keinen natürlichen Nestschutz gegen Keuchhusten, zwei Drittel der Erkrankten müssen deshalb ins Krankenhaus. Einen Abwehrschutz bietet eine Impfung der Mutter ab der 28. Schwangerschaftswoche vor der Geburt. Die Grundimmunisierung erfolgt mit 2, 4 und 11 Monaten, je eine Auffrischungsimpfung mit 5 bis 6 Jahren und ab 18 Jahren.
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3. Steckbrief: Mumps
Mumps („Ziegenpeter“) ist eine akute Virusinfektion und sehr ansteckend. Die Mumpsviren werden durch Tröpfchen übertragen. Unter 5-Jährige erkranken meist nur leicht, mit zunehmendem Alter steigt das Risiko von Spätschäden.
Symptome nach 12 bis 24 Tagen Inkubationszeit:
- eventuell nur Erkältungssymptome
- Schüttelfrost
- Fieber
- Schwellung der Ohr- und Unterkieferspeicheldrüsen
Mögliche Komplikationen:
- starke Kopfschmerzen
- Nackensteife
- Hirnhautentzündung
- Hodenentzündung
- Entzündung der Brustdrüsen und Eierstöcke
- Unfruchtbarkeit, besonders bei Männern
- bleibende Hörschäden bis zu Taubheit
- Bauchspeicheldrüsenentzündung
Schutz: Bei einmal Infizierten und Geimpften besteht eine lebenslange Immunität. Empfohlen wird die 1. MMR-Impfung ab 11 Monaten, die 2. ab 15 Monaten. Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die Kontakt mit Mumps-Erkrankten hatten und nicht geschützt sind, sollte innerhalb von 3 Tagen eine MMR-Impfung erhalten.
4. Steckbrief: Hepatitis B
Die weltweit verbreitete Leberentzündung wird durch das Hepatitis-B-Virus verursacht und durch kleinste Spuren von zum Beispiel Blut oder Speichel übertragen. Kinder könnten das Virus durch Kratzen oder Beißen weitergeben, Jugendliche sich beim Ohrlochstechen, Piercen oder Tätowieren infizieren.
Symptome nach 2 bis 6 Monaten Inkubationszeit:
- keine oder
- Müdigkeit
- Gelbsucht
Mögliche Komplikationen: Je jünger das infizierte Kind ist, desto höher (60-90 %) ist das Risiko für eine chronische Hepatitis B
- Leberzirrhose
- Leberzellenkrebs
- lebensgefährliche Blutungen
- Tod
Schutz: Grundimmunisierung mit 2, 4, 11 Monaten. Sie kann bis zum 18. Lebensjahr nachgeholt werden. Hygiene und später Safer Sex.
5. Steckbrief: Haemophilus influenzae Typ B (Hib)
Hib ist ein Bakterium. Es wird durch Tröpfcheninfektion übertragen. Die Erkrankung kann wie eine Atemwegsinfektion wirken, aber vor allem bei Kleinkindern unter 5 Jahren schwer verlaufen.
Symptome nach 2 bis 5 Tagen Inkubationszeit:
- Husten & Niesen
- Ohrenschmerzen
Mögliche Komplikationen:
- Blutvergiftung
- Hirnhautentzündung
- Lungenentzündung
Schutz: Hib ist nicht so ansteckend wie Masern, 1,5 Meter Abstand schützen – in Familie und Kindergärten ist er nicht möglich einzuhalten. Die Hib-Impfung gehört zur Standardimpfung im 2., 4., 11. Lebensmonat, unvollständige bis zum 5. Lebensjahr nachholen! Risikogruppen können das auch später.
Video: Das juckt so doll!
Windpocken gehörten vor Einführung der Windpockenimpfung in Deutschland zu den häufigsten und ansteckendsten Kinderkrankheiten. Der Auslöser ist das Varizella-Zoster-Virus, was den typischen juckenden Hautausschlag hervorruft. Er beginnt am Oberkörper und Gesicht, wie auch am Kopf. Mehr Informationen dazu sehen Sie hier:
6. Steckbrief: Kinderlähmung (Poliomyelitis)
Kinderlähmung verursachen Polioviren, die sich im Darm vermehren. Sie greifen Rückenmark und Gehirn an. Übertragen werden die Enteroviren durch Speichel und Fäkalien.
Symptome nach 3 bis 35 Tagen Inkubationszeit:
- Fieber
- Halsschmerzen
- Kopfschmerzen
- Lähmungserscheinungen
Mögliche Komplikationen:
- dauerhafte Lähmung von Gliedmaßen
- Schluck- und Sprechstörung
- verlangsamtes Knochenwachstum und Gelenkzerstörung
- Skoliose
- lebensbedrohliche Atemlähmung
Schutz: In den ersten Lebensmonaten sind Babys durch ihre Mütter geschützt. Empfohlen wird eine Grundimmunisierung im Säuglingsalter und eine einmalige Auffrischungsimpfung im Alter von 9 bis 16 Jahren. Eine medikamentöse Behandlung gibt es nicht.
7. Steckbrief: Tetanus (Wundstarrkrampf)
Tetanus wird durch das Gift eines fast weltweit verbreiteten Bakteriums verursacht. Die Erreger kommen in Erde, Staub oder Fäkalien vor und gelangen durch Wunden in den Körper, zum Beispiel einem Kratzer beim Spielen auf einer Wiese. Das Gift gelangt durch Blut- und Lymphbahnen in das zentrale Nervensystem.
Symptome in 4 bis 14 Tagen langsam zunehmend:
- Unruhe
- Schweißausbrüche
- Schlafstörungen
- anhaltende Muskelanspannungen
- Mundsperre
- qualvolle Muskelschmerzen und -krämpfe
- Knochenbrüche
Mögliche Komplikationen:
- Herzschädigung
- Tod durch Ersticken
- ohne intensivmedizinische Behandlung sterben 70 % der Patienten, Säuglinge und Kinder zu fast 100%
Schutz: Die Tetanusimpfung ist eine Toxoidimpfung, sie schützt nicht gegen das Bakterium, sondern das Gift. Grundimpfung in 3 Teilen mit 2, 4 und 11 Monaten; Auffrischung mit 5 bis 6 und 15 bis 16 Jahren, danach alle 10 Jahre.
Warum Impfungen der wirksamste Schutz sind
Hygiene, gesunde Ernährung und Bewegung stärken das Immunsystem. Doch Verletzungen oder Infektionen mit Viren und Bakterien lassen sich kaum vermeiden, wenn man aktiv am Leben teilhaben will.
Beim Kontakt mit Krankheitserregern bildet das Immunsystem Antikörper. Manche Erreger fordern die Immunabwehr jedoch sehr, manchmal zu sehr. Lebend- oder Totimpfstoffe enthalten abgeschwächte oder inaktivierte Erreger, die bei gesunden Menschen keine Erkrankung auslösen, doch zur Bildung von Antikörpern führen und langfristig immunisieren.
Und: Je mehr Menschen geimpft sind, desto weniger Erreger vermehren sich. Kinderlähmung zum Beispiel wurde durch das Impfen zu 99,9 % ausgerottet.
Gegen die genannten, potenziell schweren Krankheiten im Kindesalter gibt es sichere, wirksame Impfungen, deren Kosten die BKK GILDEMEISTER SEIDENSTICKER übernimmt.
Für mehr Überblick gibt’s hier den STIKO-Impfkalender 2026 zum Download: www.rki.de
Zur Autorin: Karen Cop hatte diverse „Kinderkrankheiten“ und/oder ist dagegen geimpft. Sie zuckt auch in virenverseuchten Kitas mit keiner Wimper und kann im plötzlichen Pflegefall helfen.
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