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Vereinsmeierei reloaded

Eigentlich dachte unsere Autorin, dass sie nicht für Vereinsmitgliedschaften gemacht ist. Doch dann … Seien Sie live dabei!

Warum Sie diesen Artikel lesen sollten:

Dazugehören ist ein wundervolles Gefühl. Aber um jeden Preis? Nein, dennoch lohnt es sich manchmal, seinen Blickwinkel zu weiten …

Inhaltsverzeichis

Inhaltsverzeichnis

Alter Witz über ein Deutschlandklischee? „Treffen sich drei Deutsche – gründen sie einen Verein.“ Harr-harr-harr … So ganz unrecht hat die kleine Satire nicht. In Deutschland gibt es laut Statista weit über 600.000 eingetragene Vereine – gut 200.000 mehr als noch vor zehn Jahren und so viele wie noch nie. Damit sind wir weltweit führend! Vor diesem Hintergrund nehme ich nun meinen ganzen Mut zusammen und oute mich: Ich bin eher keine Vereinsmeierin. So, jetzt ist es raus. Lesen Sie trotzdem noch weiter? Womöglich geht es Ihnen ja auch so.

Die Angst vor dem Pöstchen

Bitte nicht falsch verstehen: Vereine leisten (in den meisten Fällen) wirklich tolle Arbeit, wertvoll für die Gemeinschaft. Ob Fußball- oder Förder-, Karneval- oder Karnickel-, Schach- oder Schäferhundverein – von mir aus dürfen sich gerne alle Menschen nach Lust und Laune zusammentun, um ihren Interessen und Vorlieben zu frönen. Aber bitte gerne ohne mich.

Bei der Vorstellung, ich müsste mich für unabsehbare Zeit verpflichten, jeden Mittwochabend um 19 Uhr in einem ungemütlichen Hinterzimmer eines Gasthauses über Gottweißwas abzustimmen, schnürt mir die Luftröhre zu. Ganz zu schweigen von der Angst, ich könnte zur Kassenwartin oder Schriftführerin gewählt werden. Ich, die sich bei den Wahlen zum Elternbeirat viele Schuljahre lang erfolgreich weggeduckt und höchstens mal das Protokollschreiben übernommen hat … Da habe ich glatt einen Ruf zu verlieren! Es ist nun mal so: Die Aussicht auf ein verbindliches Amt bedroht meinen stark ausgeprägten Freiheitsdrang. Hobbypsychologische Diagnose: Ich habe wohl eine Art Pöstchen-Phobie!

Schande über mich

Mir ist wohl bewusst, dass das Ganze kein gutes Licht auf mich wirft. Aber ehrlich: Ich wüsste so spontan auch gar nicht, welcher Verein für mich der richtige wäre: Ein Lachclub? Die Zuckerpäckchensammler oder Bobby-Car-Rennfahrer? Der Club der schönen Bärte? Besser nicht! Aber selbst wenn ich auf meine Interessen gucke – Kultur, Kreativität, Nachhaltigkeit –, würde es mir nicht einfallen, zum Beispiel einem Buchclub beizutreten oder mich einer Strick- und Häkelrunde im Wollladen anzuschließen. Für mich hat so was immer etwas leicht Kurioses. Ich gucke von außen mit einer Mischung aus Belustigung und Schauder auf solche Treffen – und ja, ich gebe es (ungern) zu, auch ein Hauch Arroganz schwingt da mit. Warum? Ich fürchte, diesbezüglich pflege ich selbst innerlich schon lange ein Klischee: das Bild vom altmodisch gestrigen, provinziellen, eingestaubten, spießigen Vereinsleben. Gähn!

Freiheit für alle!

Aber: Klischee hin oder her – je mehr ich mich mit der Historie des Vereinswesens beschäftige, die, je nach Definition, mehrere Hundert Jahre zurückreicht, desto mehr wird mir klar: Dass wir solche Interessenverbände überhaupt gründen können, ist ein wertvolles demokratisches Grund- und damit ein Freiheitsrecht. Und was ist in diesen Zeiten wichtiger, als genau dafür einzustehen? Schlagartig sehe ich diese ganze Verbändeverbandelei in einem anderen Licht.

„Menschen zu finden, die mit uns fühlen und empfinden, ist wohl das schönste Glück auf Erden.“

Carl Spitteler, Schweizer Dichter

Und dann fällt mir ein, dass ich mich schon seit einiger Zeit dabei ertappe, vielleicht auch ein klein wenig Neid zu empfinden. Wenn ich – nicht immer nur sinnbildlich – von draußen durch die Scheibe ins Innere gucke und mitbekomme, wie glücklich machend solche Zusammenkünfte für die Teilnehmenden sind, kommt ein Will-auch-Impuls in mir hoch. Denn genau diese Art Gemeinschaftsgefühl geht mir – o Wunder! – in meinem Leben seit einiger Zeit ab. Meine Arroganz und das Empty-Nest-Syndrom (Kinder fast aus dem Haus) fallen mir gerade auf die Füße. Wird es etwa Zeit, für ein Mindset-Refreshing und neue Wege? Oder gar für eine Vereinsmitgliedschaft? In mir steigt eine klitzekleine Mikropanik auf …

Hauptsache dabei?

Ich lese: „Fast jeder zweite Bundesbürger ist Mitglied in einem Verein.“ Ich denke: Oh, die können ja nicht alle irren, oder? Natürlich nicht. Die tun das auch nicht alle nur aus reiner Selbstaufopferung – sie tun es, weil es ihnen Spaß macht. Weil es ihnen etwas gibt: Gruppengefühl, Zugehörigkeit, Selbstwirksamkeit, Sinn, Anerkennung. Ich komme ins Grübeln. Und wir anderen 50%? Bin ich als Nicht-Vereinsmeierin zur ewigen Einsamkeit verbannt?

Mit Goethes Faust gesprochen: „Zwei Seelen wohnen, ach!, in meiner Brust!“ Es ist ja nicht so, dass ich mich nie in meinem Leben ehrenamtlich engagiert hätte: Ich habe Kinder in Zeltlagern bespaßt, eine Theatergruppe geleitet, habe Konzerte veranstaltet und mir über zehn Jahre lang für den Schulmarkt die Finger schrumpelig gebastelt. Und all das habe ich sehr gern gemacht. Es geht also nicht um die Frage: Engagement – ja oder nein? Sondern um die Herausforderung: Wo kann ich mitgliedsartig andocken, ohne den ganzen Vereinsklimbim? 

Dass ich mit diesem Wunsch nicht ganz allein bin, beweisen mir zum Beispiel die unzähligen Mitsingkonzerte, die in ganz Deutschland regelmäßig zum gemeinsamen Liederschmettern einladen und überall ruckzuck ausverkauft sind – während so manch traditioneller Chor seit Jahren um Nachwuchs ringt. Was wir anderen brauchen ist Zusammengehörigkeit ohne Dauerverpflichtung. So eine Art Klub light. Weniger eheartig, mehr so offene Beziehung. Vielleicht sollte ich mich mal nach Gleichgesinnten umsehen. Wir können dann ja immer noch den Verein der Vereinslosen gründen!

Zur Autorin: Lara Buck war noch nicht mal im Knax-Klub Mitglied! Nur einmal für ein paar Jahre im Sportverein und beim ADAC. Freunde fürs Leben hat sie immer woanders gefunden. 

 Illus AI-generiert (1)

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