Männergesundheit – so bleiben Körper, Libido & Prostata in Topform
Noch immer haben Männer eine kürzere Lebenserwartung als Frauen und viele wissen nichts von Andrologie. Dabei lohnt es sich, geschlechtsbezogen an ein paar Stellschrauben im männlichen Gesundheitsverhalten zu drehen und die Männergesundheit zu verbessern.
Warum Sie diesen Artikel lesen sollten:
Körper, Prostata, Libido: gute Tipps für Ihre Männergesundheit – mit Bewegung, Ernährung, Prävention und gezielter Stärkung.
Inhaltsverzeichnis
Mannomann, das sind Fakten: Noch immer ist die Sterberate von Männern in allen Altersgruppen höher als die von Frauen, bei 15- bis 34-jährigen Männern mehr als doppelt so hoch. Bei 35- bis 84-jährigen lag die Sterblichkeit um 50 bis 85 % darüber. Frauen haben eine fast fünf Jahre höhere Lebenserwartung!
Das Robert Koch-Institut (RKI) sieht die Ursachen hierfür „in biologischen Unterschieden, dem Gesundheitsverhalten und in den unterschiedlichen Arbeits- und Lebensbedingungen.“ Risikofaktoren wie Nikotin-, Drogen- und vor allem Alkoholkonsum sowie vorwiegend männliche Ernährungscredos à la „Fleisch ist mein Gemüse“ nagen am vermeintlich „starken Geschlecht“. Und laut RKI sind 60,5 % der Männer übergewichtig. Aber auch das männliche Gesundheitsbewusstsein nimmt langsam zu – es gibt sogar eine wachsende, weltweite Gegenbewegung: „Movember“, von Rockstars gegründet, hat sich zum Ziel gesetzt, „bis 2030 die Zahl der Männer, die vorzeitig sterben, um 25 % zu reduzieren“.
*Statistisches Bundesamt (Destatis)
Warum Männergesundheit wichtig ist
In der Medizin hat die Andrologie die Gesundheitsförderung von Männern im Blick. Andrologen kümmern sich um die männlichen Geschlechtsorgane, behandeln Prostatabeschwerden wie Erektionsstörungen. Womit männertypische Schwächen nur ansatzweise erfasst sind. Männer haben laut neuesten Studien im Schnitt ein schwächeres Immunsystem, weil ein Großteil der für die Immunabwehr wichtigen Gene auf X-Chromosomen liegen, von denen Frauen zwei haben, Männer nur eins.
Außerdem, sagt (nicht nur) Judith Gerlach, Gesundheits- und Präventionsministerin in Bayern, sind „Männer häufiger als Frauen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen und erkranken häufiger an Krebs. Dabei können Männer durch mehr Vorsorge und Früherkennung sowie einen gesunden Lebensstil viel für ihre eigene Gesundheit und ein längeres, gesundes Leben bewirken.“ Um über geschlechtsspezifische Gesundheitsvorsorge zu informieren, hat das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) extra Internetseiten eingerichtet: www.maennergesundheitsportal.de. Dazu kommen die Regelleistungen Ihrer Krankenkasse: vom Gesundheits-Check-up, bei dem Ihr Hausarzt Ihren allgemeinen Gesundheitsstatus feststellen kann, bis hin zu Früherkennungsuntersuchungen gegen Diabetes, Herzprobleme oder Krebs.
Mann bedenke: Allein ein hoher Alkoholkonsum führt zu rund 10.000 zusätzlichen Krebsfällen jährlich. Männer müssen auch öfter mit Hautkrebs rechnen, weil sie sich seltener mit Sonnencreme schützen und öfter im Freien arbeiten. Zur kostenlosen Prävention gehört ein Screening gegen ein Bauchaortenaneurysma, das Reißen einer erweiterten Hauptschlagader im Bauchraum; es trifft vor allem Männer über 65.
Beckenboden & Libido: Kegelübungen für Männer
Das Muskelpaket im Beckenboden hilft dabei, Urin und Stuhl zu halten, und stärkt die Potenz. Sie werden deshalb auch „Liebesmuskeln“ genannt. Sogenannte Kegelübungen helfen bei ihrer Stärkung. Versuchen Sie einmal, den Strahl beim Wasserlassen anzuspannen! Wenn es klappt, spüren Sie Ihre Beckenmuskeln – es empfehlen sich „trockene“ Wiederholungen von 10- bis 20-mal täglich: morgens im Bett, in der U-Bahn, im Büro…
Spannen Sie zuerst die Gesäßmuskeln an und richten Sie das Becken auf, dann die Beckenbodenmuskeln anspannen und fünf bis 20 Sekunden halten.
Sie können auch im Liegen trainieren: Auf den Rücken legen, Gesäßmuskeln und Rückenstrecker anspannen, bis das Gesäß knapp über dem Boden schwebt, dann die Potenzmuskeln zusammenpressen.
Nützt nichts? Erektionsstörungen können auf Erkrankungen hinweisen. Prof. Dr. Frank Sommer, Urologe und weltweit erster Professor für Männergesundheit: „Tatsächlich sind Erektionsstörungen ein guter Indikator für die männliche Gesundheit. Sind sie arteriell bedingt, können sie ein Vorbote für kardiovaskuläre Krankheiten wie ein Herzinfarkt sein. Sind sie stoffwechselbedingt, können sie Diabetes mellitus oder ein metabolisches Syndrom ankündigen".
Grundsätzlich nehmen Erektionsstörungen in der Lebensmitte zu. Die Durchblutung fördernde Pflanzenstoffe können die Manneskraft unterstützen, zum Beispiel Damiana, Ginseng, Gingko, Maca-Wurzel oder scharfe Gewürze wie Chili. Bei Testosteronmangel kann ein Arzt mit Medikamenten helfen. Bereiten Sie sich mit den wichtigsten Fragen auf das Arztgespräch vor!
Video: Beckenbodengymnastik für Männer
Im folgenden Video zeigen Ihnen Mitarbeiter der Uniklinik Dresden Übungen, die sich in den Alltag einbauen lassen:
Prostatagesundheit: Ernährung & Prävention
Die Prostata (Vorsteherdrüse) gehört zu den inneren Geschlechtsorganen des Mannes. Sie liegt zwischen Harnleiter und Beckenboden, ist bei jungen Männern nur kastaniengroß und hat viele Aufgaben: Die Prostata schützt mit dem Prostatasekret die DNA der Spermien, beteiligt sich am Hormonstoffwechsel, unterstützt die Ejakulation sowie den Verschluss des Blasenhalses. Und sie braucht Beachtung. Das Prostatakarzinom ist mit fast 70.000 Neuerkrankungen jährlich die häufigste Krebserkrankung des Mannes in Deutschland und die zweithäufigste Krebserkrankung, die tödlich endet – dabei zählt Prostatakrebs zu den Krebsarten mit den besten Heilungschancen!
Sofern er früh erkannt wird. Ein Uro- oder Androloge kann bei einer Tastuntersuchung feststellen, ob sich die Prostata vergrößert hat. Ab 45 empfiehlt sie sich jährlich. Auch der sogenannte PSA-Wert im Blut könnte auf Krebs hinweisen, falls er stark erhöht ist.
Zur besten Prävention gehören Bewegung und eine prostatafreundliche Ernährung. Damit ist allgemein eine ballaststoffreiche Ernährung mit pflanzlichen Ölen statt frittiertem und rotem Fleisch gemeint. Manche Pflanzen verwöhnen die Prostata besonders: Brennnesselwurzel, Granatapfelsaft, Kürbissamen, Nüsse, Sägepalmenfrüchte, grüner Tee und Tomaten.
Phytoöstrogene aus Hülsenfrüchten und Getreidekörnern sollen das altersbedingt zunehmende Prostatawachstum hemmen. Lesen Sie mehr über prostatafreundliche Ernährung!
Bewegung & Fitness: die besten Sportarten für Männer
Zu hohe Cholesterinwerte und Übergewicht gehören zu den Risikofaktoren, die das Herz-Kreislauf-System und die Gefäße belasten, kurz: Gift für die Männergesundheit. Mit genug Bewegung entkommen Sie dem. Laut Harvard Health Publishing bringen folgende Sportarten besonders viel: Beckenbodentraining, Schwimmen, Tai-Chi und Walken. Dazu Krafttraining, weil Muskeln Myokine produzieren, die das Immunsystem anfeuern, Entzündungen lindern, sogar Demenz und Herzschwäche vorbeugen. Ganz abgesehen davon, dass Muskeln die effektivsten Fatburner sind.
Hier erfahren Sie mehr über den Muskelaufbau.
Mentale Gesundheit: der unterschätzte Teil der Vorsorge
Bei Männern werden psychische Erkrankungen seltener diagnostiziert als bei Frauen, dabei sterben sie dreimal so oft an Suizid – und 65 bis 90 % aller Selbstmorde sind durch Depressionen bedingt. „Aus der Forschung wissen wir, dass Männer und Frauen unterschiedlich mit emotionalem Stress und Problemen umgehen. Während Frauen sich eher mit ihren Gefühlen beschäftigen und ins Grübeln verfallen, verdrängen viele Männer Probleme und greifen zur Flasche.“ Weiß Professor Anette Kersting, Leiterin des DGPPN-Fachreferates für geschlechtsspezifische Fragen in der Psychiatrie. Auch Depressionen äußern sich bei Männern anders: Sie versuchen, weiter zu funktionieren, stürzen sich in Arbeit oder Suchtmittel, statt professionelle Hilfe beim Psychotherapeuten zu suchen.
Damit Jungen und Männer emotionale und psychische Herausforderung besser meistern können, gibt es das Beratungsangebot Echte Männer reden. Sie können dort mit psychotherapeutischen Beratern über alle persönlichen Probleme sprechen und gemeinsam nach Lösungen suchen, auch falls Sie in einer Sucht-Depressions-Spirale stecken. Alle Angebote sind kostenfrei!
Sechs wichtige Fragen & Antworten zur Männergesundheit
Gibt es Potenzmuskeln?
Die Beckenbodenmuskeln werden oft als „Liebesmuskeln“ bezeichnet, weil sie die Durchblutung fördern und die Erektion stärken. Sie sind trainierbar.
Erektionsstörungen – was tun?
Machen Sie einen Termin beim Andrologen. Er findet heraus, ob die Störungen körperliche oder psychische Ursachen haben, zum Beispiel mittels eines Tests, der nächtliche Erektionen misst.
Wofür braucht ein Mann die Prostata?
Das Prostatasekret ist Teil der Samenflüssigkeit, es schützt die DNA der Spermien. Außerdem unterstützt die Prostata Ejakulation, Hormonstoffwechsel und die Kontrolle der Harnblase.
Was stärkt die Prostata?
Beckenbodentraining, Ernährung mit pflanzlichen statt tierischen Fetten, Phytoöstrogene aus Hülsenfrüchten oder Getreide, Rauchverzicht.
Was sind die häufigsten Todesursachen von Männern?
Herzinfarkt und Schlaganfall bei älteren, Suizide, Unfälle, Verletzungen & Vergiftungen bei jungen Männern sowie Krebs (Lungen-, Prostata-, Darmkrebs).
Welche Früherkennungsuntersuchungen bezahlt die gesetzliche Krankenkasse?
Gesundheits-Check-up, Früherkennungsuntersuchungen gegen Krebs (darunter eine jährliche Prostatauntersuchung), Screening Bauchaortenaneurysma für Ü-65-Jährige, Schutzimpfungen und Zahnvorsorge.
Zur Autorin: Karen Cop wundert sich über Männer, die vor lauter Angst, dass eine Erkrankung entdeckt wird, nicht zum Arzt gehen – dies bei riskantem Lifestyle und Bubi-Blick trotz überschrittener Lebensmitte.
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