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Was hilft bei Blasenentzündung? Neue Behandlungen & bewährte Hausmittel im Überblick

Bei Harnwegsinfektionen hat sich etwas verändert: weniger Antibiotika, mehr individuell angepasste Therapien, gezielte Prophylaxe – und endlich Schluss mit Dauerbrennern!
 

Warum Sie diesen Artikel lesen sollten:

Hier erfahren Sie, was bei Harnwegsinfektionen wirklich hilft, welche neuen Therapien es gibt und wie Sie einer Zystitis vorbeugen.

Inhaltsverzeichnis

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Flammen pinkeln – wissen Sie, wie das ist? Wenn Sie jetzt fragen: „Aus welchem Horrorfilm?“, sind Sie zu beglückwünschen, weil Sie wahrscheinlich zu den rund 40 % der Frauen und 90 % der Männer gehören, die noch nie eine Blasenentzündung hatten. Während sich mindestens jede zweite Frau davor fürchtet. Auch vor wiederholter Antibiose. Denn „die unkomplizierte Harnwegsinfektion gehört zu jenen Infektionen, bei denen oft vorschnell und unnötigerweise zu einem Antibiotikum gegriffen wird“, sagt Professor Dr. med. Gerd Fätkenheuer, Leiter der Infektiologie an der Universitätsklinik Köln und Vorstandsreferent der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI). Daher wirken bei Frauen mit wiederkehrenden Harnwegsinfektionen im Ernstfall viele Antibiotika nicht mehr. Gleichzeitig wird das Immunsystem mit jeder Antibiose anfällig für neue Infekte. Ein Teufelskreis! Aus dem es mit modernen Erkenntnissen und Behandlungsmethoden ein Entkommen gibt.

Was ist eine Blasenentzündung eigentlich?

Zu den Harnwegen gehören neben der Blase die Harnröhre und Harnleiter sowie Teile der Nieren. Die Blasenentzündung, medizinisch: Zystitis, ist die häufigste Harnwegsinfektion. Eine unkomplizierte, untere Harnwegsinfektion heilt mit Hausmitteln binnen einiger Tage ab, eine komplizierte kann sich in die oberen Harnwege ausbreiten bis hin zu einer Nierenbeckenentzündung.

Selten verursachen Pilze, in den meisten Fällen Darmbakterien die Entzündung, in etwa 80 % sind das Escherichia coli (E. coli). Im Darm unterstützen diese die Verdauung, aber sie können auch im Urin leben, sich mit fadenähnlichen Fortsätzen an die Blasenschleimhaut heften und so verankern, dass sie beim nächsten Wasserlassen nicht einfach herausgespült werden – mit zunehmender Vermehrung kommt es zur Entzündung.

Ursachen & Risikofaktoren: Warum manche Menschen häufiger betroffen sind

Das Zystitis-Risiko von Männern nimmt ab dem 60. Lebensjahr zu, wenn sich die Prostata vergrößert, es schwerer fällt, die Blase vollständig zu entleeren und Restharn das Bakterienwachstum fördert. Doch ihre Harnröhre ist länger, weswegen Bakterien nicht so leicht aufsteigen wie in der kürzeren Harnröhre der Frauen.

Dazu erleichtern es einige Faktoren den Erregern, vom Darmausgang einer Frau zu ihrem Harnröhrenausgang zu gelangen: Geschlechtsverkehr kann eine „Honeymoon-Zystitis“ auslösen, wie überhaupt Reibung zu Reizung und damit Begünstigung führt.  
Zum Glück fühlen sich diese Bakterien im Scheidenmilieu nicht wohl, sofern der pH-Wert stimmt und sich die Scheidenflora in gesunder Balance befindet. Vor allem mit den Wechseljahren und zunehmendem Östrogenmangel verändert sich das Milieu, die Schleimhäute werden dünner und die Abwehrmechanismen gegen Keime nehmen ab. Auch Schwangere werden häufig von Blasenentzündungen geplagt, weil sich durch das Hormon Progesteron die Harnwege weiten und Urin langsamer abfließt, dazu drückt die Gebärmutter auf die Blase.

Weitere Risikofaktoren: Blasensteine, ein Dauerkatheter, Diabetes mellitus, geschwächtes Immunsystem, übertriebene Intimpflege, spermizide Verhütungsmittel, die das Scheidenmilieu verändern, und eine falsche Wischtechnik auf der Toilette.

Symptome: Woran Sie eine Blasenentzündung erkennen

Typische Symptome der einfachen Blasenentzündung sind:

  • starkes Brennen oder Stechen beim Wasserlassen
  • Druck oder Schmerzen im Unterleib
  • starker Harndrang
  • schwacher Urinstrahl
  • trüber Urin

Typische Symptome der komplizierten Blasenentzündung sind:

  • Blut im Urin
  • Fieber
  • Flanken- und Rückenschmerzen
  • eventuell Übelkeit, Erbrechen und schweres Krankheitsgefühl
Urinteststreifen mit gelber Verfärbung neben einer Farbskala zur Auswertung.
Blasenentzündung oder -reizung? Ein einfacher Test zeigt schnell, ob die Leukozyten und Nitratwerte normal sind oder erhöht.

Behandlung: Was hilft bei Blasenentzündung?

Hausärzte, Gynäkologinnen oder Urologen erkennen die Entzündung sofort mit einem Urinschnelltest, den es auch rezeptfrei in der Apotheke gibt. Er wird beim Wasserlassen in den Mittelstrahl gehalten. Zeigt das Testergebnis „nur“ erhöhte Leukozyten und Nitrit an, heißt es: her mit der Wärmflasche, ab aufs Sofa und gut zwei bis drei Liter trinken. Viel Flüssigkeit verdünnt den Urin und hilft dabei, Bakterien aus den Harnwegen zu spülen, damit sie sich nicht vermehren können. Laut Meldung des Universitätsklinikums Würzburg heilen „bis zu zwei Drittel der sogenannten unkomplizierten Harnwegsinfekte mit Wärme, Ruhe und viel Trinken nach einer Woche“. 

Pflanzliche Hausmittel wie Ackerschachtelhalm, Bärentrauben- und Birkenblätter, Brennnessel, Goldrute, Katzenbart und Wacholder wirken antibakteriell, entzündungshemmend und entspannend, in Kapseln wie als Tee. Auch Ingwertee hat sich bewährt.

Zur Wirkung von Cranberrys gibt es inzwischen mehrere Studien, die zeigen, wie darin enthaltene Proanthocyanidine (PAC) das Anhaften von E. coli an die Harnblasenzellen hemmen. Sie wirken also vor allem vorbeugend. Wobei manche Studienergebnisse zeigten, dass Cranberrysaft auch Symptome einer Blasenentzündung wie Schmerzen beim Wasserlassen und häufigen Harndrang lindert. Auf die Blase reizende Getränke wie Alkohol, Cola, Kaffee und säurehaltige Säfte sollte dagegen verzichtet werden.

Bei komplizierten oder wiederholten Blasenentzündungen kommen oft Antibiotika zum Einsatz, aber Resistenzen sind ein Problem. Idealerweise werden die Erreger mittels einer Urinkultur untersucht, um die Zystitis gezielt zu behandeln. Mit herkömmlichen Methoden dauerte diese Diagnostik früher mehrere Tage, aber Forscherinnen und Forscher der ETH Zürich haben inzwischen die Phagendiagnostik entwickelt: Hochspezialisierte Viren (Phagen) identifizieren die Hauptakteure Escherichia coli, Klebsiella und Enterokokken innerhalb von nur vier Stunden und produzieren ein Lichtsignal.

Falls die Blasenentzündung trotz ausführlicher Therapie nicht verschwindet, muss nach anderen Ursachen gefahndet werden, etwa mit einer Blasenspiegelung. 

Blasenentzündung vorbeugen

Grundsätzlich gilt: weg von der Antibiotika-Behandlung als Standard, hin zum Schutz des natürlichen Mikrobioms in der Blase. Das heißt: individuellere Therapien mit Probiotika, natürlichen Heilmitteln, Östrogenen und/oder einer Impfung.
Denn aus infektiologischer Sicht sind vor allem zwei Faktoren dafür entscheidend, dass Blasenentzündungen zu Dauerbrennern werden: das vaginale Mikrobiom und das Darmmikrobiom bzw. das Zusammenspiel zwischen beiden. Wiederkehrende Blasenentzündungen entstehen oft durch eine Fehlbesiedlung von Darm, Vagina und Blase. Um das natürliche Mikrobiom zu schützen, empfehlen sich Bakterienkulturen: Milchsäurebakterien unterstützen die Scheidenflora dabei, ihren pH-Wert in Balance zu halten. Vaginales Östrogen hilft Frauen in und nach den Wechseljahren.
Ein fäkaler Mikrobiota-Transfer (FMT) ist ein noch neuer Forschungsansatz, der davon ausgeht, dass er beim Aufbau eines schwächelnden Darmmikrobioms helfen könnte.

Auch eine Impfung empfiehlt sich, wenn die Blasenentzündung immer wieder aufflammt: Uro-Vaxom dient der gezielten Immunstimulation. Es wird über circa drei Monate täglich in Form von kleinen Kapseln eingenommen und besteht aus verschiedenen E.-coli-Stämmen. Der zweite Impfstoff, StroVac, besteht aus abgetöteten Bakterien. Beide sind wirksam, wenn Darmbakterien die Auslöser sind, helfen also nicht gegen andere Ursachen. Die Impfungen sind individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) und werden nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Versicherte der BKK GILDEMEISTER SEIDENSTICKER können sich die Rechnung über das Gesundheitskonto im Bonusprogramm erstatten lassen.

Ein ganz neuer Ansatz ist die Einnahme von Methenaminhippurat, zum Beispiel Cystohipp. Dieser Wirkstoff wandelt sich im Urin in Formaldehyd um und hemmt das Bakterienwachstum, ohne die natürliche Darm- oder Scheidenflora anzugreifen. 

Und immer weiter gelten folgende Musts zur Vorbeugung:

1. Trinken, trinken, trinken. 
2. Auf der Toilette von vorne nach hinten abwischen, nie umgekehrt.
3. Spätestens zehn Minuten nach dem Sex auf die Toilette gehen.
4. Tampons und Binden öfter wechseln.
5. Intimpflege mit lauwarmem Wasser statt künstlichen Mitteln durchführen.
6. Unterkühlung vermeiden. Wer zum Beispiel eine nasse Badehose anbehält, bis sie kalt wird, riskiert, dass die Schleimhäute schlechter durchblutet werden, was das lokale Immunsystem schwächt. 
7. Regelmäßig Wasser lassen, nicht warten, bis die Blase prallvoll ist und der Harndrang stark. Je länger man nicht auf der Toilette war, desto besser können sich Bakterien vermehren.
8. Restharn vermeiden, die Blase immer ganz leeren!

Person hält zwei Tabletten in der Hand, daneben ein Glas Wasser.
Damit die Blasenentzündung nicht zum Dauerbrenner wird schützen moderne Behandlungen das natürliche Mikrobiom in der Blase und nutzen Antibiotika nur notfalls.

Wann Sie unbedingt zum Arzt sollten

Falls die Beschwerden nach drei Tagen nicht abklingen, sollten Sie  einen Arzt aufsuchen. Sofort jedoch, sobald sich Symptome einer schweren Harnwegsinfektion zeigen wie Fieber, Schüttelfrost, starke Schmerzen in Unterbauch, Rücken oder Flanke. Wenn die Bakterien in die Niere aufsteigen und zu einer Nierenbeckenentzündung führen, ist das ein medizinischer Notfall, der schnellstens ärztlich untersucht und behandelt werden muss.

Video: Blasenentzündung und Symptome schnell loswerden – möglich ohne Antibiotika?

Im Video fasst Dr. Julia Fischer anschaulich zusammen, was Blasenentzündungen auslöst, welche Tipps wenig nützen und was warum helfen kann:

Quiz: 6 Fragen und Antworten zur Blasenentzündung und ihrer Behandlung

Ist die Blase nur gereizt oder bahnt sich eine schwere Harnwegsinfektion an? Machen Sie den Test!

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Zur Autorin: Karen Cop fährt am liebsten tagelang Rad und kommt öfter ins Schwitzen – auch deshalb trinkt sie mindestens drei Liter täglich. Und trägt gepolsterte Radlerhosen, die zwar hässlich sind, aber vor zu viel Reibung schützen.
 

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