Konflikte am Arbeitsplatz - hilft ein dickeres Fell oder der Betriebsrat?

Expertenchat vom 12.12.2011 mit Monika Hirsch-Sprätz. Sie ist Dipl.-Sozialpädagogin, Konfliktcoach und Leiterin der Mobbingberatung Berlin-Brandenburg.

Mobbing ist allgegenwärtig. Ständige Sticheleien versetzen die Opfer in Dauerstress. Am Arbeitsplatz ist Mobbing besonders tückisch. Schließlich kann man seinen Job nicht einfach hinschmeißen. Doch was tun, wenn sich die Konflikte mit Chef oder Kollegen zuspitzen?

Für eine junge Chatteilnehmerin ist es allerdings genau so weit gekommen: Sie sah sich gezwungen zu kündigen, da sie seit einem dreiviertel Jahr gemobbt wird. Und das, obwohl sie schon seit mehreren Jahren in der Firma ist. Die Betroffene berichtet, dass sie von ihrer Abteilungsleiterin nur noch in einem schroffen Ton angesprochen wird und auch die anderen Kolleginnen immer respektloser wurden: „Ich wurde aus Büros rausgeschickt und wenn jemand anderes reinkam […] wurde wieder herzlich gelacht.“ Einen Betriebsrat gibt es nicht und der Chef der jungen Frau interessiert sich nicht für die Konflikte im Team.

Kommunikation ist das A und O

Die Expertin merkte an, dass ausgelagerte Abteilungen generell Konfliktpotenzial bieten, weil sie gewissermaßen auf sich gestellt sind. Sie fand es gut, dass die Frau das Gespräch mit ihrer Abteilungsleiterin gesucht hat, weiß aber auch, dass das nicht immer einfach ist: „Manchmal müssen erste Anläufe wiederholt werden.“ Sie meint, dass das Problem in der Firma die fehlende Gesprächskultur und unterschiedliche Erwartungen seien. Wenn dann noch der Chef wegschaut, seien Missverständnisse vorprogrammiert.

Professionelle Hilfe suchen

Bei der Chatteilnehmerin äußert sich die Situation inzwischen auch körperlich: „Essen kann ich fast gar nichts mehr. […] Ich schlafe ca. 2-3 Stunden, […] habe Schmerzen im Brustbereich, Herzrasen und Schwindel." Die Expertin rät ihr, sich im Zweifelsfall für die restliche Zeit in dem Unternehmen krankschreiben zu lassen und langfristig auch therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen, um das Erlebte aufzuarbeiten. Telefonseelsorge und Krisendienst sowie ein individuelles Coaching können in der Zwischenzeit Abhilfe schaffen.

Auf sich besinnen

Es sei ebenfalls hilfreich, sich Notizen über erlebte Situationen zu machen: „Das […] hilft, ungute Gefühle und Situationen aus dem Kopf zu bekommen.“ Außerdem könne man so sein Anliegen besser ansprechen und wird sich über die eigenen Gefühle bewusster. Ebenso wichtig sei es, in der Freizeit für Entspannung und einen seelischen und körperlichen Ausgleich zu sorgen, meint Frau Hirsch-Sprätz.

Sie rät der jungen Frau, nun nach vorne zu blicken und in der nächsten Arbeitsstelle von vornherein klarzustellen, dass sie für Probleme ansprechbar sei und wünscht, dass diese direkt und zeitnah geäußert werden. Denn: „Jeder Mensch ist es wert, normal und wertschätzend behandelt zu werden. Das, was Sie in dieser Abteilung erlebt haben, ist kein Maßstab für andere Arbeitsstellen.“

Nicht aufgeben

Zum Abschluss gibt die Expertin allen Chatteilnehmern noch mit auf den Weg, dass sie schon bei ersten Mobbinganzeichen aktiv werden sollen. Der Konflikt müsse zeitnah angesprochen werden und Unterstützer - auch unter Kollegen - gesucht werden. Die Missstände sollten mündlich und schriftlich genau geäußert werden: Zuerst bei dem direkten Konfliktpartner, dann bei Kollegen, dann erst beim Chef und wenn nichts mehr geht beim Betriebsrat.

Man sollte sich aber auch immer einmal in die Situation der anderen hineinversetzen und seine eigenen Anteile an einer Situation überprüfen. Wichtig sei letztlich, „dass Sie Ihr Leben in die Hand nehmen und für sich sorgen, [und] nicht aufzugeben, vor allem sich selbst nicht!“

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